Botschaft
des Exekutivsekretärs des Digitalen Solidaritätsfonds
Wenn
ein Jugendlicher heute das Leben eines Altersgenossen zu Beginn
des 19. Jahrhunderts, an der Schwelle zur industriellen Revolution,
in allen seinen Dimensionen – auf der Ebene der Gesellschaft,
der Familie, der Kultur, der Sprache, der Hygiene, der Düfte
– nachleben wollte, stünde er vor einer unlösbaren
Aufgabe, denn diese Revolution veränderte grundlegend sämtliche
Parameter unseres Lebens, unseres Verhaltens und unserer Wahrnehmung.
Gleichermassen scheint es, trotz
der überbordenden Phantasie der Science-fiction, ebenso gewagt
zu sein, sich vorzustellen, wie unser Leben und unsere Umgebung
in nur ungefähr hundert Jahren aussehen werden.
Wenn auch die technische Überlegenheit
es den industrialisierten Ländern ermöglichte, ihre
Vorherrschaft uneingeschränkt zu zementieren, kann die Informationsgesellschaft
in einer globalisierten Welt nicht mit denselben Kräfteverhältnissen
funktionieren.
Unsere Lehren aus den sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten
ziehend, die infolge der industriellen Vormachtstellung einiger
Staaten und den damit einhergehenden vielfältigen Ungerechtigkeiten
entstanden sind, erkennen wir, dass eine globale, entstaatlichte
Wirtschaft nicht dauerhaft auf der Grundlage veralteter Modelle,
die grosse Teile der Weltbevölkerung dem Elend der Unterentwicklung
überlassen, gedeihen können wird.
Durch Förderung des Zugangs
zum Wissen und durch Einrichtung eines nachbarschaftlichen Dialogs
gibt die vernetzte Informationsgesellschaft neuen Perspektiven
und neu auf den Plan tretenden Akteuren Raum. Sie erlaubt uns,
die Fundamente einer anderen Welt zu legen, natürlich unter
der Voraussetzung, dass wir die Mittel dafür bereitstellen,
den politischen Willen dazu entwickeln und, vor allem, vollständig
und freiwillig die Folgen tragen. Der Digitale Solidaritätsfonds
ist Ausdruck dieses solidarischen Vorhabens.
Sein Sekretariat ist sich dieser
Erfordernisse, gerade aufgrund seiner begrenzten Ressourcen,
bewusst. Sowohl in seiner täglichen Arbeit als auch in
seinem Engagement und seiner Ethik lässt es sich von der
Notwendigkeit der Solidarität im Dienste aller, und insbesondere
derer, die ihrer am Nötigsten bedürfen, leiten.
Alain Clerc
Exekutivsekretär des Digitalen Solidaritätsfonds